Aus Anlass der Naturama-Wanderausstellung auf dem Pausenplatz hat der NVVO einen informativen Spaziergang zu den Abtwiler «Naturschätzen» durchgeführt. Es gab viel Gutes zu sehen, aber auch Lücken.
ANNETTE KNÜSEL
Damit wir ein gutes ...
Aus Anlass der Naturama-Wanderausstellung auf dem Pausenplatz hat der NVVO einen informativen Spaziergang zu den Abtwiler «Naturschätzen» durchgeführt. Es gab viel Gutes zu sehen, aber auch Lücken.
ANNETTE KNÜSEL
Damit wir ein gutes Leben führen können, brauchen wir Infrastruktur: Strassen, auf denen wir uns rasch bewegen; ein Stromnetz, das die Elektrizität überall hinbringt; Handyantennen, dank denen wir überall erreichbar sind; Geschäfte, in denen wir uns mit Essen und anderen Annehmlichkeiten versorgen. «Seit etwa 100 Jahren haben wir Menschen uns mit unserer Infrastruktur massiv breit gemacht», erläutert Thomas Vonwil, Vorstandsmitglied des Natur- und Vogelschutzvereins Oberfreiamt (NVVO)
Schutzgebiete brauchen Anschluss
Vonwil hat einige Informationsblätter, zwei Fernrohre und jede Menge Fachwissen mitgebracht, um die Abtwiler für das Thema «Ökologische Infrastruktur» zu sensibilisieren. Anlass ist die Wanderausstellung von Naturama Aargau zum selben Thema auf dem Pausenplatz. «Auch die Tiere brauchen Infrastruktur», erläutert Vonwil, «Brücken über die Strasse, Hecken zum Brüten, Früchte zum Fressen und so weiter». Für das Überleben der verschiedenen Tierarten reichen vereinzelte ökologisch wertvolle Gebiete nicht. Es braucht auch Verbindungskorridore zwischen den Kerngebieten, es braucht ein ganzes Netz.
Am Beispiel des Wiedehopfes erklärt Vonwil exemplarisch, wie die Zerstückelung seiner Infrastruktur zum fast vollständigen Verschwinden führte: In den 50er Jahren wurde der Bestand in der Schweiz auf etwa 5’000 Brutpaare geschätzt. Nach der weitgehenden Aufgabe der kleinräumigen Landwirtschaft im Mittelland hält sich der Wiedehopf fast nur noch im Rhonetal, im Tessin und im Bündnerland auf. Etwa 200 Brutpaare gibt es dort, nur wenig mehr als der Tiefstand von 150 Paaren in den 90er Jahren. «Einzelne ‹Inseln› helfen nicht viel, es braucht grundsätzlich ein grösseres Gebiet, das funktioniert», hält Vonwil fest.
Neue Impulse durch Hinschauen
«Gerade beim dekorativen Wiedehopf sollte man sich keine Hoffnungen machen, dass er in absehbarer Zeit wieder im Freiamt heimisch wird», mahnt Vonwil. Aber für viele andere Arten könne man die Bedingungen verbessern – oder zumindest dafür sorgen, dass sie sich nicht weiter verschlechtern. Und so zieht die Gruppe los, um gute Beispiele und verpasste Chancen auf dem Gemeindegebiet zu entdecken. Gleich zu Beginn des Wegs weist Vonwil auf eine gelungene Massnahme hin, ein Bienenhotel neben einem Obstbaum: «Jedes Hotel braucht ein Restaurant – hier haben wir beides direkt nebeneinander.»
Gemeinderätin Michelle Pfenniger hat den Anlass initiiert und läuft von Anfang bis Ende mit. «Eine Blumenwiese in einem Garten mitten in Abtwil an der Sinserstrasse fand ich noch eindrücklich», sagt sie anschliessend. «Diese war grundsätzlich perfekt für Insekten und für die Vielfalt. Aber da es rundherum nichts Ähnliches hatte, war sie leider auch sehr unbelebt.» Es ist ein heisser Tag, zum Glück findet die Gruppe vielfach Bäume, in deren Schatten es sich aushalten lässt. Alle sind sich einig, dass der Spaziergang einige Impulse gesetzt hat, um in Zukunft wieder etwas aufmerksamer durch die Natur zu laufen. Und sich vielleicht zu überlegen, ob man die einzelnen «Inseln» im Gemeindegebiet nicht doch irgendwie verbinden könnte.
Die Ausstellung auf dem Pausenplatz ist noch bis zum 31. Mai zu besichtigen. Und wer den Spaziergang am vergangenen Samstag verpasst hat: Der Natur- und Vogelschutzverein Oberfreiamt bietet immer wieder Ausflüge und informative Spaziergänge an.