Im Oberfreiamt bleiben die Pilzkörbe leer
18.09.2026 Natur, VermischtesOberfreiamt Nach dem aussergewöhnlich trockenen und heissen Sommer wachsen in den Wäldern der Region kaum Pilze. Pilzkontrolleur Hansjörg Birrer spricht vom schlechtesten Jahr, das er in einem Vierteljahrhundert erlebt hat.
RAHEL HEGGLIN
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Oberfreiamt Nach dem aussergewöhnlich trockenen und heissen Sommer wachsen in den Wäldern der Region kaum Pilze. Pilzkontrolleur Hansjörg Birrer spricht vom schlechtesten Jahr, das er in einem Vierteljahrhundert erlebt hat.
RAHEL HEGGLIN
Die Pilzsaison 2026 ist bislang eine grosse Enttäuschung. Wer derzeit im Oberfreiamt mit einem Korb durch den Wald streift, braucht vor allem eines: viel Geduld. Steinpilze, Eierschwämme und andere beliebte Speisepilze machen sich rar. Das bekommt auch Pilzkontrolleur Hansjörg Birrer unmittelbar zu spüren. Bei seiner Kontrolle am Donnerstag vergangener Woche erschien kein einziger Pilzsammler. Auch an anderen Kontrolltagen blieb der Andrang gering.
Der Oberrüter kennt die Pilzwälder der Region seit Jahrzehnten. Umso bemerkenswerter ist seine Einschätzung der aktuellen Situation. «Ich bin seit 25 Jahren als Pilzkontrolleur tätig. Das ist das schlechteste Pilzjahr, was wir je hatten», sagte er. Als Hauptgrund nennt er die lange Trockenheit und die hohen Temperaturen. Über Wochen fehlte ergiebiger Regen. Fiel doch einmal Niederschlag, reichte dieser kaum aus, um die ausgetrockneten Böden nachhaltig zu durchfeuchten.
Nur rund zehn Prozent eines normalen Jahres
Birrer schätzt das bisherige Pilzaufkommen im Oberfreiamt auf gerade einmal rund zehn Prozent eines durchschnittlichen Jahres. Vereinzelt seien unter anderem Wiesenchampignons, Netzstielige Hexenröhrlinge und Bitterröhrlinge zu finden. Letztere sind allerdings nicht als Speisepilze geeignet.
Dass die Situation nicht nur im Oberfreiamt aussergewöhnlich ist, zeigen aktuelle Daten des Bundes. In der Schweiz, insbesondere im Mittelland, herrscht seit dem Frühling eine ausgeprägte Trockenheit. Die Niederschläge lagen deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt, gleichzeitig waren die Temperaturen häufig höher als üblich.
Hauptsaison beginnt erst jetzt
Ganz abschreiben will Birrer das Pilzjahr dennoch nicht. Denn jetzt beginnt jene Zeit, in der normalerweise besonders viel aus dem Boden spriesst. «Mitte September bis Mitte Oktober ist Pilzhochsaison», sagt er. Ob die Natur den bisherigen Rückstand noch aufholen kann, wagt er allerdings nicht vorherzusagen. Zwar habe es zuletzt etwas geregnet. Bis sich diese Feuchtigkeit aber auf das Pilzwachstum auswirkt, kann es noch dauern.
Der eigentliche Pilz lebt weiter
Leere Wälder bedeuten aber nicht, dass die Pilze verschwunden sind. Was Sammlerinnen und Sammler aus dem Boden wachsen sehen und in ihre Körbe legen, ist lediglich der Fruchtkörper. Der eigentliche Pilz lebt als weit verzweigtes Myzel im Boden.
Birrer vergleicht dies mit einem Obstbaum: Der sichtbare Pilz sei gewissermassen der Apfel, während das Myzel dem Baum entspreche. Trage ein Apfelbaum in einem Jahr keine Früchte, bedeute dies schliesslich auch nicht, dass der Baum nicht mehr lebe. Sobald wieder genügend Feuchtigkeit vorhanden sei, könne das Pilzgeflecht erneut wachsen und Fruchtkörper bilden.
Die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL weist allerdings darauf hin, dass anhaltende Trockenheit die Aktivität von Mikroorganismen wie Pilzen im Boden stark einschränkt. Das kann wiederum Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und die Nährstoffversorgung der Bäume haben. Pilze erfüllen im Wald wichtige Funktionen, und viele Arten leben in enger Symbiose mit den Wurzeln von Bäumen.
Hoffnung auf Regen
Für Pilzfreunde im Oberfreiamt bleibt damit vorerst nur der Blick zum Himmel. Die jüngsten Niederschläge könnten helfen, doch ob sie ausreichen, wird sich erst zeigen. Birrer und seine Kollegen führen die regulären Pilzkontrollen noch bis Ende Oktober durch.
Dann wird sich auch zeigen, ob es sich tatsächlich um das schlechteste Pilzjahr handelt: Ende Oktober wird nämlich die Statistik erstellt.



