Im Kloster entstehen Freundschaften fürs Leben
24.04.2026 Musik/KulturIm Festsaal Muri hat sich die Jury der «5. The Muri Competition» entschieden: Augusto Velio Palumbo aus Italien siegt im Fach Fagott, Fedor Osver aus Russland im Fach Oboe. Die Schweizer Teilnehmenden schafften es nicht ins Finale.
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Im Festsaal Muri hat sich die Jury der «5. The Muri Competition» entschieden: Augusto Velio Palumbo aus Italien siegt im Fach Fagott, Fedor Osver aus Russland im Fach Oboe. Die Schweizer Teilnehmenden schafften es nicht ins Finale.
pd | Augusto Velio Palumbo hat am Sonntagabend die 5. Ausgabe der «Muri Competition» im Fach Fagott gewonnen, im Fach Oboe setzte sich Fedor Osver durch. Die Entscheidung fiel im Festsaal des Klosters Muri nach zwei Finalkonzerten – vor einer Jury, die zur Crème de la Crème des Fachs zählt, und vor einem Publikum, das zehn Tage lang mitgefiebert hatte. Die sechs Finalistinnen und Finalisten wurden vom argovia philharmonic unter der Leitung von Georg Köhler begleitet: Die Oboistinnen und Oboisten traten mit Mozarts Konzert C-Dur KV 314 an, die Fagottistinnen und Fagottisten mit Carl Maria von Webers Fagottkonzert F-Dur op. 75.
Die beiden Schweizer Teilnehmenden hatten es nicht ins Finale geschafft: Fagottistin Julia Silvana Graf schied in der ersten Runde aus, Fagottist Leonardo Bizzotto verpasste den Halbfinal. Trotzdem kamen die heimischen Fans auf ihre Kosten. In Muri stand ein Wettbewerb im Schaufenster, der sich international längst unter den drei grössten seiner Art eingereiht hat.
Zehn Tage lang hatten sich junge Oboistinnen, Oboisten, Fagottistinnen und Fagottisten aus der ganzen Welt durch vier Runden gespielt: erste Runde, zweite Runde, Halbfinal und Finale. Über 300 Musikerinnen und Musiker hatten sich für die 5. Ausgabe beworben. Eine anonyme Vorjury – sie hört jede Aufnahme, ohne zu wissen, wer spielt – wählte die Eingeladenen aus.
Neue Generation
Auffällig sei gewesen, wie jung dieser Jahrgang war, sagt Matthias Rácz, Vorsitzender der Fagott-Jury und Professor an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). In der Feedback-Session seien sehr viele Teilnehmende um die 18, 19 oder 20 gewesen. Der Wettbewerb bestehe nun seit fast 15 Jahren – «wir sind inzwischen fast bei einer zweiten Generation angelangt». Zugleich verschieben sich die Gewichte: Viele Qualifizierte kämen heute aus China, während Japan und Frankreich weniger präsent seien.
Die Internationalität des Wettbewerbs erklärt Rácz mit der konsequent professionellen Arbeit seit der ersten Ausgabe. Es gebe die 14er-Jury, das besondere Halbfinal- und Final-Konzept, das Streichen der höchsten und tiefsten Punktzahl, Generalistinnen und Generalisten in der Jury, Persönlichkeiten wie Heinz Holliger. Und eben: die Gastfamilien, die die Teilnehmenden beherbergen. «Im Grunde hilft ein ganzes Dorf mit, diesen Wettbewerb möglich zu machen», sagt Rácz. Von Teilnehmenden und Jurorinnen höre er immer wieder, Muri sei «der bestorganisierte Wettbewerb» überhaupt. Und auch nach dem Aus sei in Muri niemand alleingelassen: Für jene, die nicht weiterkommen, gebe es ein eigenes Programm.
Gesamtleiter Renato Bizzotto verweist auf den «Geist von Muri», der für viele inzwischen fast legendär sei. Das kleine Format fördere die Begegnung, Arroganz habe hier keinen Platz. Viele Teilnehmende hätten auch dieses Jahr wieder von «friends for life» gesprochen, von Freundschaften, die in Muri entstehen und ein Leben lang halten. «Alle, die nach Muri kommen, sind bereits Siegerinnen und Sieger», sagt Bizzotto. Diese Haltung präge die Atmosphäre – vom Empfang bei den Gastfamilien bis zur Bühne im Festsaal.
Jenseits von Social Media
Für Martin Frutiger, Vorsitzender der Oboen-Jury und ebenfalls ZHdK-Professor, unterscheidet sich Muri genau in diesem Punkt von den grossen Wettbewerben. In München, Tokio oder Prag verteilten sich die Teilnehmenden in der Stadt – in Muri bleibt alles beieinander. Und in einer Welt, in der Social Media das Bild der Musikerinnen und Musiker zunehmend präge, gehe es hier um etwas anderes: «Bei einem solchen Wettbewerb geht es nur um die fachliche Qualität, die bewertet wird.» Keine Technik helfe nach, nichts kaschiere, bringt Bizzotto es auf den Punkt: The Muri Competition sei in diesem Sinn «unplugged».
Im Fach Oboe und Fagott zähle Muri inzwischen «ganz klar zur Spitze» der internationalen Wettbewerbe, sagt Rácz. Und das, obwohl Muri verglichen mit etablierten Häusern wie München noch jung sei. Dass die Preisträgerinnen und Preisträger der vergangenen Ausgaben heute in den besten Orchestern Europas und darüber hinaus sitzen, sei der beste Beweis dafür. Zu spüren ist das auch im Dorf: Wer über den Klosterplatz geht, trifft auf Gastfamilien, die mitfiebern, auf Jurorinnen und Juroren im Gespräch mit Teilnehmenden – auf eine Atmosphäre, die es so an kaum einem anderen Wettbewerb gibt.


