Aus dem Freiamt – Erinnerungen, die bleiben
11.04.2025 MuriVor fast sieben Jahren begann Maria Galizia-Fischer, ihre Erinnerungen aus ihrer Kindheit und Jugend aufzuschreiben. Nun, mit 91 Jahren, ist ihr erstes Buch erschienen: «Ich bin aus dem Freiamt, wisst ihr, wo das ist?» ist ein Rückblick voller Anekdoten, der von Dankbarkeit ...
Vor fast sieben Jahren begann Maria Galizia-Fischer, ihre Erinnerungen aus ihrer Kindheit und Jugend aufzuschreiben. Nun, mit 91 Jahren, ist ihr erstes Buch erschienen: «Ich bin aus dem Freiamt, wisst ihr, wo das ist?» ist ein Rückblick voller Anekdoten, der von Dankbarkeit für ihr Leben zeugt.
JILL EBERHARD
Wenn man Maria Galizia-Fischer zuhört, wie sie über ihre Kindheit und Jugendzeit im Freiamt erzählt, fällt eines sofort auf: Sie blickt mit grosser Positivität auf ihr Leben zurück. Besonders wenn sie von ihrer Mutter erzählt, wird dies deutlich. «Wir Frauen müssen die Gescheiteren sein, sonst geht es nicht in der Welt», habe ihre Mutter immer gesagt. Gemeinsam mit ihrem Vater ermöglichte sie es den zehn Kindern, einen Beruf zu erlernen – sieben Mädchen, drei Jungen. Das war alles andere als selbstverständlich im katholischen Oberfreiamt der 1930er Jahre.
Mit 91 Jahren veröffentlicht Galizia nun ihr erstes Buch. «Ich bin aus dem Freiamt, wisst ihr, wo das ist?» heisst es und ist beim Limmat Verlag erschienen. Sie hat knapp sieben Jahre lang daran geschrieben, handschriftlich, meistens im Bett. Ein ganzer Stapel Hefte entstand dabei, erzählt sie. Warum im Bett? Dort fühle sie sich geschützt, abgekoppelt von der Welt, von allem, was läuft. Und die Erinnerungen seien nur so geflossen, wenn sie im Bett geschrieben hat, sie habe es sich selbst auch nicht erklären können. Anfangs schrieb sie für sich selbst und für ihre Familie, schliesslich kam die Idee mit dem Verlag. Dass das Buch überhaupt zustande kam, ist ihrem Lebenspartner zu verdanken. Er hat ihr geraten, alles aufzuschreiben. Sie tat es – für ihre Kinder, Grosskinder und Urgrosskinder.
Eine Welt, die es so nicht mehr gibt
In ihrem Buch nimmt sie die Leserschaft mit in eine Zeit, die für viele heute unvorstellbar ist. Aufgewachsen auf einem Bauernhof in Merenschwand, als viertes von zehn Kindern, erinnert sie sich an ein Leben, das stark vom katholischen Glauben, Gemeinschaftssinn und Einfachheit geprägt war. Es gab nicht viel Umtrieb, sagt sie, man war einfach in seinem Umfeld, bei der Arbeit. Ihre Kindheit war strukturiert, aber nicht lieblos. Ihre Eltern waren immer für sie da, erzählt die Freiämterin. Der Grundton zu Hause war stets positiv, das kam vor allem von ihrer Mutter aus. Dennoch mussten sie aufeinander Rücksicht nehmen, sich unterordnen, teilen. Das bedeutete nicht Unterdrückung, sondern Verwurzelung: Eingebettetheit gäbe gute Wurzeln, meint sie.
Schon früh zeigte sich Galizias Willensstärke: Als ihre Lehrerin sie «Marie» nannte, widersprach sie. Der Name habe für sie eine negative Konnotation gehabt, sagt sie, sie wollte Maria genannt werden. Auch in der Schule fiel ihre Zielstrebigkeit auf, doch es war nicht leicht. Als sie in der Bezirksschule Latein belegen wollte, lehnte der Lehrer ab. Für eine Bauerntochter aus Merenschwand sei das doch zu komplex, wurde ihr gesagt. Das war das erste Mal, dass sie sich zurückgesetzt fühlte – ein Wendepunkt.
Trotzdem verlor sie ihr Ziel nicht aus den Augen. Sie wollte Lehrerin werden, wie ihre prägende Erstklasslehrerin und auch ihre Mutter es gerne geworden wäre. Lehrerin zu sein, das war damals das Höchste für Frauen, erklärt Galizia. Sie selbst wurde Hauswirtschaftslehrerin und unterrichtete jahrelang. Den Beruf habe sie sehr ernst genommen. Und, obwohl sich der Lehrberuf heute verändert habe, würde sie es wieder machen wollen. In ihren Worten stecken Leidenschaft und ein tiefes Verständnis für Bildung als Weg zu Selbstbestimmung.
Erinnerungen für die Zukunft
Die Erinnerungen an ihre Jugend hat Galizia nicht aus Nostalgie niedergeschrieben, sondern aus dem Wunsch, etwas zu bewahren. Sie möchte nicht urteilen über die heutige Zeit, denkt aber, dass man den Kindern heute viel Ablenkung und Möglichkeiten gibt, was manchmal überfordernd wirken kann. In ihren Erzählungen zeigt sich eine Haltung, die sie ihrer Familie weitergeben möchte: gegenseitiger Respekt, positives Denken, Dankbarkeit. Als Kunst- und Literaturbegeisterte sei ihr aufgefallen, dass viele Bücher von schwierigen Müttern und traumatischen Kindheiten handeln. Mit ihrem Buch will sie eine andere Perspektive einbringen.
Verlosung von drei Büchern
Wir verlosen drei Bücher von Maria Galizia-Fischers Buch
«Ich bin aus dem Freiamt, wisst ihr, wo das ist?» Wer eines gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail an info@anzeigeroberfreiamt.ch mit der richtigen Antwort:
An welchem speziellen Ort hat Maria Galizia-Fischer meistens an ihrem Buch geschrieben?
Einsendeschluss: Montag, 14. April.