Die Eisheiligen meinten es nicht gut mit den Abtwilern. Zum jährlichen Auffahrtsanlass schickten sie neben wenigen sonnigen Momenten vor allem kalten Wind und Nieselregen. Der guten Laune tat dies aber keinen Abbruch.
ANNETTE KNÜSEL
In diesem Jahr hatte ...
Die Eisheiligen meinten es nicht gut mit den Abtwilern. Zum jährlichen Auffahrtsanlass schickten sie neben wenigen sonnigen Momenten vor allem kalten Wind und Nieselregen. Der guten Laune tat dies aber keinen Abbruch.
ANNETTE KNÜSEL
In diesem Jahr hatte die Kulturkommission «Dorfläbe» einen Besuch bei der Familie Huwiler, Langegg geplant. Startpunkt war das Schulhaus. Neben den vier Mitgliedern der Kulturkommission, Gemeinderat Adrian Bachmann und Gemeindeammann Stefan Balmer fanden sich rund 50 Abtwiler ein, alle bestens gerüstet für jedes Wetter und fest entschlossen, sich die gute Laune nicht verderben zu lassen.
Nach einer kurzen Ansprache ging es auch schon los, durch das Dorf, dann durch die Felder, immer mit herrlichem, wenn auch wolkenverhangenem Blick auf die umliegenden Berge. Auf dem Hof warteten Michael und Isidor Huwiler mit einem feinen Apéro und einem informativen Vortrag über eine besondere Delikatesse aus ihrem frisch eröffneten Hofladen: das Rapsöl.
Wissenswertes über den Raps
Huwilers bauen sechs Kulturen in Fruchtfolge an, eine davon ist der Raps. Er wird schon Ende August oder Anfang September gesät und bleibt recht lange im Boden: Erst im Juli wird er gedroschen, am besten bei einer Feuchtigkeit von unter acht Prozent, da die Ernte sonst nachgetrocknet werden muss. Pro Hektar braucht es nur drei Kilogramm Saatgut. Der Ertrag kann das bis zu 1’500-Fache erreichen, in sehr guten Jahren 4,5 Tonnen pro Hektar. Zum Vergleich: Bei Getreide braucht man gut 160 Kilogramm Saatgut für einen Ertrag mit Faktor 50.
Ihre Ernte bringen die Huwilers zweimal pro Jahr zur Mühle Briseck in Zell (LU), wo sie kalt gepresst wird. In Flaschen abgefüllt, geht das Öl dann in den Verkauf. Rapsöl sei sehr bekömmlich für die kalte Küche und fürs Grillieren, sagte Isidor Huwiler, aber zum Frittieren nicht geeignet. Es sei sehr lange haltbar. Einmal hat Huwiler bei einer Verkostung neben frisch gepresstem auch zehnjähriges Öl angeboten. Es sei kein Unterschied zu merken gewesen.
Im Anschluss stellten einige Besucher Fragen und es entspann sich ein aufschlussreiches Gespräch rund um Rapsanbau, -ernte und -verwendung. Stolz präsentierte Huwiler auch den selbst gebauten «Sitzofen»: einen einfachen Hocker aus Stahl, bei dem man ein Raps-Teelicht (das sechs Stunden lang brennen kann) unter die Sitzfläche stellt. Dieses sorgt für wohlige Wärme, ähnlich der eines Kachelofens. Sein Vater habe immer den Ofen seiner Kindheit vermisst, erzählte Sohn Michael, und deshalb habe man diesen Sitzofen erfunden. Das Material leitet die Wärme gleichmässig weiter. Wenn es zu warm wird, hilft der Einsatz eines Sitzkissens.
Gemütlich in der Waldhütte
Nach der Führung und ein wenig gemütlichem Beisammenseins auf dem Hof, wurden die Mützen aufgesetzt und die Rucksäcke geschultert. Angeführt von Renate Arnold nahm die Gruppe ihren Weg wieder auf. Ziel war, wie jedes Jahr beim Auffahrtsanlass, die Waldhütte. Dort hatten die Mitglieder des «Dorfläbe» alles für einen gemütlichen Ausklang vorbereitet: Würste, Getränke und selbst gebackener Kuchen konnte gekauft und genossen werden. Wegen des kalten Wetters sassen die meisten in der Hütte, was der guten Stimmung keinen Abbruch tat. «Dafür, dass es ein kalter Tag war, sind wir sehr zufrieden. Wer dabei war, hat es genossen. Viele fanden auch das Thema sehr interessant», hält Arnold fest. Gegen drei Uhr am Nachmittag löste sich die Versammlung auf, bis zum nächsten Mal.