Aettenbühl: Alters- oder Pflegeheim?
16.10.2026 LeserbriefeAuf die Ab- und Zurückweisung von Betagten aus Sins, die gerne ins Aettenbühl gezogen oder geblieben wären, hat auch mich schockiert. Es ist vielen gleich ergangen. Der Bericht im letzten Anzeiger benötigt darum ein paar Ergänzungen.
Als sich Sins anfangs der ...
Auf die Ab- und Zurückweisung von Betagten aus Sins, die gerne ins Aettenbühl gezogen oder geblieben wären, hat auch mich schockiert. Es ist vielen gleich ergangen. Der Bericht im letzten Anzeiger benötigt darum ein paar Ergänzungen.
Als sich Sins anfangs der 1990er Jahre mit dem Bau eines Altersheimes befasste, wurde sehr bewusst und gezielt die Bevölkerung mit einbezogen. Eine Strategie wurde verfolgt: Das künftige Haus soll von den Menschen aus Sins und den Oberfreiämter Gemeinden getragen werden. Die Gemeinde setzte sich für die Planung, Baudurchführung und Finanzierung ein und übergab dem Stiftungsrat später den Auftrag, das Alters- und Pflegeheim zu führen. Der Verein Aettenbühl (später Gönnerverein) wurde gegründet. Es gab öffentliche Informationen zur Projektierung, zum Bauverlauf, eine Besichtigung der Baustelle, usw. Später stellte sich der künftige Heimleiter vor, der das Altersheim in Sins für die Bewohner und Bewohnerinnen zu einem offenen Daheim gestalten wolle, das voll zur Dorfgemeinschaft gehöre. Niemand soll sich darin als abgeschoben fühlen. Ein grosser Bazar, der die Vereine, Gemeinden und weitherum die Bevölkerung mobilisierte, wurde zum weiteren Kitt zwischen dem künftigen Aettenbühl und den Oberfreiämtern. Es darf erwähnt werden: Dank dem grossen Einsatz der Bevölkerung konnten mit dem Bazarertrag von rund 200’000 Franken Tische, Stühle und Betten finanziert werden. Nicht zu vergessen sind die Millionen, die den Steuerzahler gekostet haben. Es geht also im erwähnten Bericht nicht um eine Fehlinformation der Bevölkerung, sondern um eine echte Bindung, mitmenschlicher und finanzieller Art, die bewusst gepflegt wurde und bis heute noch bei vielen besteht. Leider wird diese Beziehung nicht mehr gesehen und weitergepflegt.
Das führte dazu, dass zusehends Entscheidungen getroffen werden, von denen die Bevölkerung erst erfährt, wenn sie «Gesprächsstoff» liefern. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wie man einer Betagten nach dreiwöchigem Heimaufenthalt eröffnen kann, dass sie das Aettenbühl wieder verlassen muss, weil sie zu wenig pflegebedürftig sei. Die Frau hatte sich mit dem Wunsch angemeldet, definitiv einzuziehen, kam von einem Spitalaufenthalt und hatte ihre Wohnung im dritten Stock (Haus ohne Lift) bereits aufgegeben. Jetzt haben wir seit Jahren ein Alters- und Pflegeheim und Sinser und Sinserinnen müssen sich auswärts umsehen? Da stimmt etwas nicht! Und, gehört es dazu, dass die erwähnte Frau während ihrem Aufenthalt die Heimleitung nie sah?
Marie Theres Kaufmann-Bernet, Sins
