"Das Tierwohl liegt mir am Herzen"


Dietwil

Oberhalb von Dietwil leben rund 60 Schottische Hochlandrinder. Während dem Sommer sind allerdings nur die Munis sowie die Schlachttiere in der Freiämter Gemeinde. Der Grossteil der Herde verbringt die warmen Monate auf der Alp im Bündnerland.

rah. Im Valsertal auf 2700 Meter über Meer verbringen die Muttertiere mit ihren Kälbern sowie die Ochsen den Sommer. «Das ist wunderschön für die Tiere. Sie kommen immer in einem sehr guten Zustand zurück», freut sich Mara Simonetta, die zusammen mit ihrem Mann Herbert Widmer den Hof Vordereglezen führt. Simonetta hat vor rund zehn Jahren zum ersten Mal für befreundete Züchter und sich selber 40 Schottische Hochlandrinder in die Schweiz importiert. «Dreimal habe ich das danach noch für weitere Züchter gemacht» erklärt sie, die sechs Jahre lang Geschäftsführerin der Highland Cattle Society Switzerland (zu deutsch: Verein der Schweizer Hochlandrindzüchter) war. Simonetta ist ein Riesenfan der Schottischen Hochlandrinder. Dass sie selber mal eine Herde davon haben wird, ist eher einer praktischen Überlegung zu verdanken.

Natürliche Haltung Bis 2010 hielt man auf dem Hof in Vordereglezen Braunvieh. «Irgendwann fiel der Milchpreis zusammen und auch der Stall war in einem renovierungsbedürftigen Zustand», erklärt sie. «Wenn man vor solch hohen Investition steht, überlegt man sich auch Alternativen.» Deshalb entschied das Paar, auf Mutterkuh-Haltung und eine neue Rasse umzustellen. «Da mir die Hochlandrinder schon immer gefallen haben und diese sehr natürlich zum Halten sind, entschieden wir uns für diese Rasse.» Die Tiere brauchen kein Kraftfutter. Sie können ganzjährig draussen sein und erreichen mit rund drei Jahren ihr Schlachtgewicht. «Das gibt dem Fleisch einen sehr feinen Geschmack. Man merkt, dass die Tiere natürlich aufgewachsen sind, ohne aufgefüttert worden zu sein.»

Namensgebung hilft Inzucht zu vermeiden

Die ganze Herde ist ein Teil der Familie. Jedes einzelne Tier hat seinen Namen. «Das hat eine grosse Tradition und gehört auch zum Züchterstolz», erklärt die Dietwilerin. Deswegen trägt jedes Rind in seinem Namen auch den Züchternamen. Der Zuchtstier, der aus Schottland kommt, heisst beispielsweise Calum of Cnoc Na Sith. Cnoc Na Sith heisst der Züchter in Schottland. «Unsere Rinder tragen im Namen alle Von der Eglezen. Damit wir aber auch wissen, von welchen Eltern das Rind stammt, trägt es den Namen des Vaters und hat einen Namen mit dem Anfangsbuchstaben der Mutter.» So heisst beispielsweise ein Jungtier, dessen Mutter Lara heisst und von Calum stammt: «Calum Lawrence von der Eglezen.» Mit diesem Namen wissen die Landwirte jederzeit von welchen Eltern ein Tier abstammt und können entsprechend Inzucht vermeiden. Die Tiere erkennt Simonetta am Gesicht. Sie findet, dass vor allem die weiblichen Tiere eine grosse Ähnlichkeit mit ihren Müttern aufweisen. Bei den männlichen Tieren sei es etwas schwieriger.

Die Tiere sind für den Verzehr gedacht

Natürlich denken die beiden auch wirtschaftlich und die Herde kann nicht unlimitiert vergrössert werden: «Den grössten Teil verkaufen wir als Zuchttiere an andere Züchter, diejenigen Tiere, die nicht zur Zucht taugen, werden geschlachtet. Das ist für mich der weit unangenehmere Teil», gesteht Simonetta. Dennoch gehört es dazu. «Mit zweieinhalb bis drei Jahren sind sie schlachtreif», erklärt sie. «Essen kann man aber auch ältere Tiere. Das Fleisch schmeckt intensiver und ist unter Kennern zu einem wahren Geheimtipp geworden.» Der Züchterin ist wichtig, dass die Tiere ein gutes Leben haben. «Ich lehne Massentierhaltung kategorisch ab. Das Tierwohl liegt mir sehr am Herzen», so Simonetta. Sie begrüsst die neue Tendenz in der Fleischverarbeitung, dass alles vom Tier verwertet wird. Ganz nach dem Motto «From Nose to Tail.» (Von der Nase bis zum Schwanz). Damit wird dem Tier Respekt gezollt. «Man kann nicht nur das Filet verwenden und aus dem Rest Hundefutter machen», sagt sie. Aus dem Schwanz der Tiere wird Ochsenschwanz-Suppe gemacht und auch die Innereien werden wieder vermehrt nachgefragt. Ausserdem werden auch die Hörner wieder verwendet. So lässt Simonetta aus besonders schön und regelmässig geformten Exemplaren manchmal Trinkgefässe oder Musikinstrumente herstellen.