In Sins zwitschern Exoten


Sommerserie

Wer sich in den Garten der Familie Fleischli begibt, kommt sich ein wenig vor wie in einem Vogelpark. In 20 Volieren befinden sich verschiedene Papageien, Sittiche und Weichfresser. Sie stammen aus Asien, Afrika oder Südamerika. Begonnen hat alles mit einem Papagei aus Lima.

rah. Das Vogelparadies von Hansruedi Fleischli umfasst 45 Tiere. Um diese zu verpflegen und sich um sie zu kümmern, wendet der 62-Jährige täglich rund zwei Stunden auf. Handzahm sind die Vögel nicht. Im Gegenteil. Den Finger sollte man nicht zwischen den Gitterstäben durchstrecken. «Ein paar dieser Vögel sind ziemlich aggressiv und würden zubeissen», warnt der Vogelbesitzer, der schon über 40 Jahre Erfahrung mit diesen Exoten hat.

Mit einem Gelbbrust-Ara im Flugzeug

Aufgewachsen ist Fleischli in Mühlau. «Ich habe damals praktisch die ganze Freizeit im Naturschutzgebiet Maschwanden verbracht. Dabei entdeckte ich meine Leidenschaft für die Vögel», erklärt der heutige Sinser. Er zog Mäusebussarde und Falken auf und hielt in einer Voliere Wellensittiche. «Aber so richtig angefangen hat es mit meiner Reise nach Südamerika», erinnert er sich. Ende der 70er Jahre zog es ihn in die Ferne. Nach einem Besuch in einem Nationalpark in Peru war er dermassen von Papageien begeistert, dass für ihn klar war, dass er so einen mit in die Schweiz nehmen wollte. «Ich wusste noch nicht welchen und ich wusste auch nicht, wo ich einen kaufen konnte. Ich wusste nur, dass ich einen haben wollte», lacht Fleischli. So begab er sich eines Tages an die Hotelrezeption und fragte nach einem Vogelmarkt. Er bekam eine Adresse in Lima und bestellte sich gleich ein Taxi. «Ich konnte kein Wort Spanisch. Aber ich hatte Fotos von Papageien dabei.» So zog er auf dem Markt umher und zeigte den Leuten mit den Fotos, dass er einen Papagei suchte. «Am Ende des Tages war ich stolzer Besitzer eines Gelbbrust-Aras.» Zurück im Hotel erkundigte er sich, wie er das Tier nun nach Hause bringen konnte. «Der Herr an der Rezeption sagte mir, dass sei kein Problem. Ich müsse nur umgerechnet zwanzig Franken Schmiergeld bezahlen.» So konnte er den Kontinent problemlos verlassen und sass kurz darauf mit seinem Ara in einer Swissair-Maschine Richtung Zürich. «In Kloten musste der Papagei dann für 14 Tage in Quarantäne.»

Vogelmarkt ist nicht mehr lukrativ

Als er anfangs 2000 das Haus in Sins bauen konnte, war klar, dass ein grosser Teil des Gartens für die Vögel reserviert ist. Zwanzig Volieren sind fertig gebaut, Platz für weitere wäre vorhanden. «Aber der Vogelmarkt ist am Boden. Deshalb weiss ich nicht, ob ich noch ausbauen will», erklärt Fleischli. Er hält verschiedene Vogelpaare. Jedoch nicht viele verschiedene Sorten, sondern von ein paar wenigen Sorten mehrere Paare. So kann er Inzucht vermeiden und hat auch Reservevögel, wenn ein Tier stirbt. «Früher brachte ein Ara-Papagei fast dreitausend Franken. Heute bekommt man dafür vielleicht noch fünfhundert Franken», so der Vogel-Liebhaber. Den Grund für diesen Einbruch sieht er in den Haltungsbedingungen, die teilweise absurd seien. «Da gibt es Vorschriften für die Innenvolieren der Aras. Diese brauchen eine gewisse Kubikgrösse und Höhe. Aber das Aussengehege ist nicht vorgegeben», ärgert er sich. So sei dieses Gesetz überhaupt nicht dem Tierwohl dienlich, sondern reiner Bürokratiewahnsinn. «Und darum lassen viele Leute, die eigentlich gerne einen Papagei hätten, die Finger davon.» Doch Fleischli hält die Tiere nicht nur um sie zu verkaufen. Ihm ist auch wichtig, dass seltene Vogelarten mit den Zuchtprogrammen nicht aussterben. «Der Lebensraum vieler exotischer Vögel ist durch die massive Abholzung im Regenwald bedroht. Wir Züchter tragen auch einen Teil dazu bei, dass die Vögel nicht ausgerottet werden.» Fleischli ist international bekannt für seine exotischen Vögel. Nicht selten verkauft er Jungtiere in Tierpärke oder Zoos im Ausland.

Biss ist verheerend

Seine Tiere sind keine Vögel zum Streicheln. Wer ihnen zu nahe kommt, muss mit einem Angriff rechnen. Auch Fleischli hat diese schmerzhafte Erfahrung gemacht. «Hauptsächlich wenn sie am Brüten sind, muss man aufpassen», erklärt er. «Einmal hat mich die Gelbnacken-Amazone am Finger erwischt und nicht mehr losgelassen», sagt er. Sein Finger blutete stark. Da der Papageien ihm Psittakose übertrug, bekam Fleischli eine starke Infektion. «Die Psittakose ist eine Tierseuche, die beim Menschen eine starke Erkrankung auslösen kann», erklärt er. Der 62-Jährige bekam über 42 Grad Fieber und musste sich im Spital behandeln lassen. «Das war sehr schlimm. Ich fühlte mich damals wie klinisch tot.» Nach drei Wochen war Fleischli wieder genesen. Diese Erfahrung hält ihn jedoch nicht davon ab, weiterhin Freude an den Tieren zu haben. «Der Vogel hat ja nur sein Revier verteidigt. Da kann ich nicht böse sein.»