Braunviehzucht im Wandel der Zeit


Oberfreiamt

Vom Vieh als Zugtier zum Traktor und vom Melkstüehli zum Melkroboter. In 125 Jahren Braunviehzuchtgenossenschaft (BVZG) Sins hat sich vieles verändert.

dv. Mit ihren 125 Jahren ist die Braunviehzuchtgenossenschaft Sins die älteste im Kanton Aargau. Und nicht nur in Sachen Vereinsbestehen hat die BVZG Sins dem restlichen Kanton etwas voraus. Denn auch in der Milchproduktion geben die Oberfreiämter den Ton an und führen die Tabelle mit knappen 6 Litern Differenz an. Oder besser gesagt, 6 Kilogramm. Diese Masseinheit hat die technologischen Fortschritte überdauert und stammt noch aus früheren Zeiten.

Geschichte:

Bis zur Gründung der Genossenschaft war die Viehzucht Ende des 19. Jahrhunderts wenig verbreitet. Getreideanbau war die Hauptaufgabe der Schweizer Bauern. Mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes wurden die Landwirte in der Schweiz jedoch vor ein grosses Problem gestellt. Denn durch die Eisenbahn konnte nun auf einfachstem Wege billigeres, ausländisches Getreide importiert werden. So suchten die Bauern eine lukrativere Tätigkeit und fanden diese in der Viehzucht und der damit einhergehenden Milchproduktion. Im Oberfreiamt fokussierte sich die Zucht auf das in der Innenschweiz verbreitete Braunvieh.

Die Milchleistung der BVZG habe sich in den letzten 125 Jahren mehr als verdreifacht, so Präsident Martin Köpfli. Was die Entwicklung weitergeht, steh in den Sternen. Schmunzelnd ergänzte Köpfli: „Vielleicht müssen wir – mit Blick auf das aktuelle Weltgeschehen – in Zukunft unsere Rasse umbenennen. Denn BrownSwiss heisst ja schliesslich brauner Schweizer. Das darf man ja heute fast nicht mehr sagen.“

53 Jahre Milchwäger

Milchkontrolleur, wie die korrekte Berufsbezeichnung lautet, war über ein halbes Jahrhundert die Aufgabe und Passion von Bernhard Niederberger. Per Generalsversammlung 2020 geht der Sinser nun in den Ruhestand.

Für Bernhard Niederberger war bereits in jungen Jahren klar, dass er seinem Lieblingstier, der Kuh, seine Zeit widmen und mit ihr arbeiten möchte. Da der heimische Hof an seine älteren Geschwister überging, kam das Amt des Milchkontrolleurs, auch Milchwäger genannt, sehr gelegen.

Seine Arbeit habe sich über die Jahre sehr verändert, so der Jubilar. Während sein Tag früher oft bereits um 4.00 Uhr morgens begann – schliesslich wurde dazumal noch jede Kuh von Hand gemolken, das brauchte seine Zeit – durfte er durch die Erfindung und Verbreitung des Milchroboters ein zwei Stündchen länger schlafen. Aber nicht nur das Melken war früher Handarbeit. Auch die tabellarische Auflistung von Fett- und Eiweissgehalt wurde vor der Digitalisierung mit Stift und Papier geführt. Heute gehe eben alles etwas einfacher, obwohl der Computer zu Beginn nicht sein Element gewesen sei, fügte Niederberger hinzu. Nun wartet der wohlverdiente Ruhestand und er überlässt seine Arbeit einem jüngeren Nachfolger.

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