«Im Gebet über alle Grenzen verbunden»


Kirche

Seit Februar ist Pius Hüsler der neue administrative und organisatorische Leiter im Pastoralraum Oberes Freiamt. Der Anzeiger Oberfreiamt sprach mit ihm und Pastoralraumpfarrer Thomas Zimmermann über seinen Start in einer speziellen Situation.

ew. Pius Hüsler und Thomas Zimmermann, wie gehen Sie mit der aktuellen Situation um?

Pius Hüsler: Für mich ist jetzt alles speziell. Nach über 30 Jahren in der Bankbranche, sind nicht nur meine Aufgaben, das Umfeld und Anforderungen neu. Auch die aktuelle Situation verlangt, dass ich mit einem Auge stets auf die Bestimmungen des Bundes und des Bistums schauen muss um so sicherzustellen, dass die Vorgaben jederzeit eingehalten werden und die Sicherheit von allen gewahrt wird. Und es tut weh, wenn man nach nur einigen Wochen im Amt bereits mitentscheiden muss, Gottesdienste und Gebete in unseren Pfarrkirchen absagen zu müssen.

Thomas Zimmermann: Es hat so etwas Befremdendes. Wenn ich an unseren Festgottesdienst anlässlich des 900 Jahre Jubiläums mit Abt Christian Meyer OSB denke, so hätte ich mir damals schwer vorstellen können, dass dies der letzte Gottesdienst ist. Eine Woche später mussten wir bereits die Gottesdienste absagen, weil die Verordnungen des Bundesrates, wie auch des Bischofs, in Kraft getreten sind. Es tut weh, gerade bei denjenigen Menschen nicht mehr vorbei schauen zu können, welche isoliert in den Altersheimen sind und es tut weh, mit all den Menschen in den verschiedenen Pfarreien nicht mehr zusammen den Gottesdienst feiern zu können. Homeoffice geht nicht gut. Ich stehe, wie alle, vor der Aufgabe: Wie arbeite ich unter dieser neuen Situation und auf welche Weise gebe ich dem Tag eine entsprechende Struktur. Wir haben unsere Präsenz im Pfarrhaus abgesprochen. Ich hoffe, dass wir alle gesund durch diese Tage kommen und die Erreichbarkeit im Pfarramt jederzeit möglich ist. Auf den Glauben bezogen: Es ist tröstlich, dass wir im Gebet über alle Religionen und über alle Grenzen hinweg verbunden sind. Die Pfarrei weitet sich über den Pastoralraum auf die ganze Welt aus. Und es gelingt mir vielleicht in der momentanen Situation, eine Standortbestimmung in Sachen Leben und Glauben zu machen.

Pius Hüsler, Sie amten jetzt seit Anfang Februar im Pastoralraum Oberes Freiamt. Wie sieht Ihre Arbeit aus?

Ich erachte mein Aufgabengebiet als sehr vielfältig. Zum einen ist es die personelle Führung aller Sakristane, Sekretariate und Kirchenmusiker. Zum anderen versuche ich dem Seelsorgeteam den Rücken von administrativen und organisatorischen Arbeiten freizuhalten.

Thomas Zimmermann, wie konnte sich Pius Hüsler bereits konkret einbringen?

Wir waren seit Dezember 2019 mit der Planung des erwähnten Festgottesdienstes beschäftigt. Nachdem von Seiten der Gemeinde und der Kirche das Konzept für diese Feier festgelegt wurde, konnte Pius Hüsler im Februar mit deren konkreten Umsetzung beginnen, wie beispielsweise die Drucktermine im Auge behalten, Adressaten mit dem Sekretariat durchgehen, Kommunikation mit dem Anzeiger, Kontakt mit den Musikverantwortlichen pflegen.

Pius Hüsler, was reizt Sie besonders an dieser Arbeit und wo sehen Sie Potential?

Als Christ glaube ich an die Institution «Kirche». Ich bin überzeugt, dass die Kirche auch heute noch für Menschen jeden Alters wichtig ist und eine Zukunft hat. Veränderungen wird es geben, Veränderungen sind nötig.In all unseren Pfarreien arbeitet eine Vielzahl von Menschen – Seelsorgerinnen und Seelsorger, Katechetinnen und Katecheten, Sakristaninnen und Sakristane, Organistinnen und Organisten, Chorleiterinnen und Chorleiter und viele, viele freiwillige Helferinnen und Helfer. Ich möchte versuchen alle diese Personen zusammen zu bringen, damit wir unseren Pastoralraum auf einfache, rationelle Weise weiterbringen können. Damit wir zusammenwachsen können, ohne dass die einzelnen Pfarreien ihre Eigenheiten verlieren, damit wir uns zusammen in eine frohe Zukunft aufmachen können.

Wie haben sie Ihren Start im Pastoralraum erlebt?

Ich wurde vom ganzen Pastoralraumteam, von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Pfarreien und von allen Kirchenpflegen sehr herzlich aufgenommen und bin bestens in mein neues Aufgabengebiet gestartet. Ich erfahre eine sehr grosse Bereitschaft, mich in meinen Aufgaben zu unterstützen.

Thomas Zimmermann: Wir haben festgestellt, dass uns Pius Hüsler von seinem beruflichen Hintergrund her, bereits einige Fragen über interne Abläufe gestellt und entsprechende Verbesserungsvorschläge aufgezeigt hat. Wir sind dankbar, ich kann dies sicher im Sinne aller Mitarbeitenden tun, für seine Ansprechbarkeit und sein Arbeiten in unserem Pastoralraum Oberes Freiamt, der sich ab August dieses Jahres auf sechs Pfarreien ausbreiten wird.