Eine Hommage an Wiggwil


Beinwil

Josef Villiger hat die Geschichte von Wiggwil in einem Buch zusammengefasst. So soll das Leben, die Leute, die Bauten und auch die Gebräuche der Nachwelt erhalten bleiben. Viele hundert Stunden – die zu vielen Jahren wurden – arbeitete er an den Chroniken von seinem «Wiitu – Wytel.»

rah. Josef Villiger kann seinen Stammbaum bis ins frühe 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Im Jahre 1713 übernahm Hans Adam Villiger von Oberrüti das Lehen der Eichmühle vom Kloster Muri. Ganze neun Generationen ist das her. Bei all den Nachkommen kennt er die Namen, Geburts- und Todesjahr, der Name der Ehefrau und die Anzahl Kinder, die sie hatten. Geschichten, Dokumente und Überlieferungen faszinieren den heute 76-jährigen. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass er seinem «Wiitu» ein Heimatbuch widmet.

Wie alles begann Villiger war 16 Jahre lang Gemeindeammann in Beinwil. «Während meiner Anfangszeit gab die Gemeinde ein Buch mit dem Namen «Beinwil/Freiamt - Zeitbilder einer Landgemeinde» heraus», erinnert er sich. «Ich habe zu diesem Buch wenig beigetragen. Aber ich habe gelernt, was es braucht, ein Buch in solch einem Umfang zu kreieren.» Im Werk ist auch die Geschichte von Wiggwil abgebildet. Von diesen Dokumentationen profitierte er später für sein eigenes Buch «Wiggwil». Bis es aber soweit war, schrieb er noch die Vereinschronik «200 Jahre Musikgesellschaft Beinwil/Freiamt», eine «Chronik über die Gerechtigkeiten in Wiggwil» und später das Werk «Eichmühle». Dieses sehr persönliche Buch dreht sich um seine Familiengeschichte. «Es ist eine umfassende Dokumentation über den Eichmühle-Betrieb.» Dieses Werk veröffentlichte er im August 2018. Da nun so viel Material über Geschichten in Wiggwil vorhanden war, wollte er diese Dokumentationen nicht in Vergessenheit geraten lassen. So machte er sich daran, die Unterlagen zu büscheln und Fehlendes in Recherchearbeit zu ergänzen.

Wiggwil – ein umfassendes Heimatbuch Damit die Chronik lückenlos wird, dokumentierte Villiger jede einzelne Liegenschaft. «Das sind – ohne die Aussenhöfe - insgesamt 22 Häuser.» Diese finden sich nun nummeriert im Buch wieder. «Um die Gebäude zu beschreiben, durchforstete ich das Lagerbuch. Dieses liegt auf der Gemeindeverwaltung in Beinwil», so Villiger. «Es beschreibt jedoch nur den Ist-Zustand von 1828.» Um mehr über die Häuser und seine Einwohner zu erfahren, brauchte er Fantasie, Informationen aus den Grundbüchern und viele Gespräche mit Zeitzeugen. «Das war relativ zeitaufwändig» gesteht er. Das Kapitel «Gewerbe und Landwirtschaft» konnte er aus seinem Wissen als Landwirt und aus geschichtlichen Dokumentationen, auch ausserhalb der Gemeinde, erstellen. Natürlich darf das Kapitel der Familie «Gessler» nicht fehlen, welche in Wiggwil lebte bevor sie im Jahre 1251 nach Meienberg zog. Einen besonderen Abschnitt widmet er auch den Gerechtigkeiten. Diese haben in Wiggwil eine lange Tradition und werden heute noch in der Gemeinde Beinwil mit drei verschiedenen Gerechtigkeitsvereinen gelebt. Die Gerechtigkeiten regelten die Nutzungsrechte am Allmend- und Waldareal. Früher wurde damit ein unbewilligter Holzhau verhindert. Die Gerechtigkeiten waren an Liegenschaften gebunden. Wer eine solche veräusserte, verlor auch den dazu gehörigen Gerechtigkeitsanteil. Ein spannender Teil ist im Kapitel «Anekdoten» abgedruckt. «Das sind Geschichten, die ich aus mündlichen Überlieferungen zusammengetragen habe», erzählt Villiger. Ergänzend geht er auf Brauchtümer und kulturelle Anlässe ein. Da findet sich zum Beispiel das Fasnachtsfeuer. «Junge Burschen sammelten am Fasnachtsmontag und -dienstag Stauden und stapelten diese auf. An der alten Fasnacht wurde der mächtige Stoss abends um halb neun angezündet. Damit sollte der Winter vertrieben werden», erklärt der Verfasser.

Wissen für die Nachwelt Nach umfangreichen 15 Jahren war die Dokumentation über Wiggwil vollständig. «Wobei ganz fertig ist so ein Buch nie», erzählt der Senior. «Es gibt immer Sachen, die ergänzt werden könnten». Aber irgendwann musste er einen Abschluss finden. Und so ist das umfassende Werk «Wiggwil» seit letztem August druckfertig. «Rund 130 Exemplare sind im Umlauf. Und es werden immer wieder neue bestellt», freut er sich. Dass es womöglich nicht das letzte Werk sein könnte, lässt er schmunzelnd durchblicken. Trotzdem kann man ihm keine weiteren Details entlocken.