Mit dem Velo ans Mittelmeer


Auw

21 Lernende der bbz freiamt machten sich vor zwei Wochen auf den Weg ans Mittelmeer – mit eigener Kraft! Rebecca Kölsch aus Auw ist eine von ihnen. Wir haben sie gefragt, woher sie die Motivation für diese anstrengende Reise nahm und was ihr für immer in Erinnerung bleiben wird.

pev. Am Samstag, 6. Juli, frühmorgens starteten die motivierten Lernenden der bbz freiamt. Ihr Ziel: das Mittelmeer. Dazwischen: 742 Streckenkilometer und 7354 Höhenmeter. Diese galt es innert sechs Tagen mit eigener Muskelkraft zu überwinden. «bbz by bike» wird seit 2007 alle zwei Jahre organisiert. Heuer gab es ein Novum: Zum ersten Mal führte die Strecke statt nach Frankreich nach Italien. Genauer nach Sottomarina di Chioggia an der Adria. Diese Änderung brachte mehr Höhenmeter mit sich, weshalb die Strecke in etwas kürzere Tagesetappen unterteilt worden war.

«bbz by bike»

Organisiert wurde die Fahrradtour von den bbz-Lehrpersonen Martin Erne und Monika Hafner. Insgesamt sechs Helferinnen und Helfer begleiteten die Gruppe. Ein Leiterteam fuhr mit einem Begleitfahrzeug mit, um das Gepäck zu transportieren und sich um allfällige Notfälle zu kümmern. Dank der Sponsoren war es möglich, dass immer in Hotels übernachtet werden konnte, ohne dass die Reise für die Lernenden zu teuer würde. Die Teilnehmenden erhielten eine funktionelle Velobekleidung mit Trikot, Fahrradhose und Windjacke. Für das Velo, das natürlich sehr gut in Schuss sein musste, waren hingegen alle selbst verantwortlich.

Rebecca Kölsch aus Auw ist eine der 21 sportlichen Lernenden. Nach 2017 war dies bereits ihre zweite Velofahrt ans Mittelmeer. Während der ersten Fahrt durch Frankreich hätten sie und ihre Kollegin noch eher aus Spass gesagt: «In zwei Jahren gehen wir wieder.» Als dann im letzten Herbst klar wurde, dass im Sommer tatsächlich eine Tour organisiert wird, hätten sie sich nur angeschaut und gewusst: Sie machen wieder mit! Dank den Erfahrungen aus der ersten Reise wussten sie genau, was alles gepackt werden muss: viel Essen und Snacks für unterwegs, viel Sonnenschutzmittel, eine Notfallbox, Veloflickzeug, Pumpe, Ersatzschlauch und natürlich auch Cremes fürs schmerzende Füdli.

Aufgeben war nie eine Option

Die 20-Jährige, die diesen Sommer ihre KV-Lehre abgeschlossen hat, fährt jeden Tag mit dem Velo zur Arbeit nach Sins, hat ansonsten aber nicht speziell trainiert. Eine Probefahrt absolvierten das Team, dann ging es los und Tagesetappen von bis zu 134 Kilometer standen auf dem Programm. «Dass wir nicht ankommen könnten, darüber habe ich mir eigentlich nie Sorgen gemacht», erklärt Kölsch. Schliesslich wusste sie bereits, dass sie es schaffen konnte. «Aber ich weiss noch, auch beim ersten Mal, aufgeben war keine Option für mich. Ich dachte mir: Zur Not stosse ich halt das Velo und komme zu Fuss an, aber ich gebe nicht auf!»

Zu überwinden gab es einige Hindernisse: Zweimal hatte ihr Fahrrad eine Platte, zum Glück brauchten nicht alle in der Gruppe ihren Ersatzschlauch und konnten sich gegenseitig aushelfen. Einmal musste sie einem anderen Fahrradfahrer ausweichen und schürfte sich den Arm an einem Zaun auf. «Aber das heilt ja schnell wieder», erklärt sie lachend. Gefragt nach dem besten Erlebnis, meint Rebecca Kölsch: «Schwierig… Der ganze Weg ist ein riesiges Erlebnis und auch jeder einzelne Tag wieder.» Denn jeden Tag brauchte sie anfangs etwas Überwindung, um trotz Schmerzen und Müdigkeit wieder aufs Fahrrad zu steigen. Sobald man aber im Sattel sitze und zu fahren beginne, mache es wieder Spass, versichert sie.

«Es lohnt sich!»

Wann immer möglich fuhren die Lernenden auf Velowegen und die Strecke über Österreich hat Rebecca Kölsch sehr gefallen. Überraschend ist vielleicht, dass ihr die Alpenpässe lieber waren als die langen, geraden Strecken durch die Poebene. «Man hat mehr Zwischen-Highlights, wenn man einen Pass hinauffährt», erklärt sie, «und wenn es hinuntergeht, ist es natürlich sowieso am schönsten!» In Verona nahm sie sich Zeit, die Stadt anzuschauen.

Und welches Gefühl durchströmt einen, wenn schliesslich das Ziel erreicht ist? «Wir rannten alle ins Meer, umarmten uns und waren einfach nur noch glücklich», beschreibt Kölsch ihre Ankunft und erklärt: «Am Anfang kannst du es gar nicht wirklich glauben, denn du kommst an und bist erst einmal einfach froh, dass du nicht mehr aufs Velo musst. Dann musst du zuerst einmal realisieren, was du überhaupt gemacht hast in den letzten Tagen, denn es ist ja schon noch happig, 740 Kilometer zu fahren.» Dieses Jahr schafften das alle Teilnehmenden – keineswegs selbstverständlich wie die Erfahrung aus den vergangenen Jahren zeigt.

Kölsch findet es sehr schade, dass sie als Ausgelehrte bei der nächsten Fahrt nicht mehr mitdarf, ist sich jedoch sicher, dass sie mit ihrer Kollegin wieder einmal eine längere Tour unternehmen wird. Und zukünftigen Lernenden kann sie die Fahrt nur empfehlen: «Es lohnt sich!»