Letten: «Kein besseres Momentum»


Sins

Mit geballter Vereinskraft setzen sich die beiden grössten Vereine der Gemeinde, der FC Sins, der Turnverein und der ebenfalls von der Sanierung stark betroffene Seilziehclub für die Projektoptimierung der Sportanlage Letten ein. In erster Linie geht es darum, das zeitliche und vor allem auch finanzielle Momentum der Südwestumfahrung optimal zu nutzen.

pvo. Es ist Dienstagabend. Das Clubhaus des FC Sins steht neben dem Bauplatz des künftigen Naturrasenfeldes etwas verlassen da. Vereinzelt gehen Seilzieher neben dem Bauplatz in Richtung Seilziehunterstand zum Training. Drinnen im Clubhaus treffen sich Vertreter des Fussballclubs, der Seilzieher und des Turnvereins zu einem Gedankenaustausch. Sie legen ihre Sicht dar, weshalb genau jetzt die Sanierung und Optimierung der Sportanlage sinnvoll ist.

Der Präsident des FC Sins, Paul Conrad, stellt gleich die Frage in die Runde, für wen im Letten überhaupt gebaut wird? Die Antwort gibt er postwendend gleich selbst: «Auch für die Allgemeinheit. Die Vereine haben die Aufgabe zu koordinieren und die Mitglieder sinnvoll zu betreuen.» Das Zusammenspiel der Sport- und der Schulanlage ergeben zudem Synergien in der Doppelnutzung. Das Geld kommt somit auch nicht dem FC Sins zu Gute, stellt Paul Conrad klar. Vielmehr wird damit in die für die Gemeinde wichtige Nachwuchsförderung oder auch Integration von Kulturen investiert. Der FC profitiert von einem regelkonformen Platz. Zudem ist festzustellen, dass an Wochenenden häufig viele Jugendliche den Fussballplatz zum Spielen oder zum Austausch schätzen.

«Eine intakte Infrastruktur ist für die Sinser Jugend notwendig»

Vereinspräsident der Sinser Seilzieher, Roger Schleiss freut sich auf eine intakte und optimierte Infrastruktur, die den Jugendlichen auch künftig eine Vielzahl an Freizeitaktivitäten bieten soll. «Dabei geht es nicht um Leistungs- sondern um Breitensport», präzisiert der ehemalige Seilzieher-Präsident Albert Villiger. Breite Unterstützung erfährt das Projekt auch vom zweitgrössten Verein in der Gemeinde, dem Turnverein. Die Turner Hans Bachmann und Michael Weinberger finden, wie die Mehrzweckhalle Ammannsmatt, sei auch diese Infrastruktur im Letten unverzichtbar.

Ein Alternativstandort steht schlussendlich auch nicht zur Diskussion und würde weit mehr Geld verschlingen, so die einhellige Meinung der Diskutierenden. Das neue Raumplanungsgesetz würde ausserdem einen Neubeginn an einem anderen Ort weder raumplanerisch noch finanziell ermöglichen. Mit dem Bau der Südwestumfahrung ist auch in der zweiten und dritten Ebene die Chance gegeben, im Letten Optimierungen vorzunehmen.

Seit 32 Jahren leben die Sinser Fussballer mit einer Ausnahmebewilligung

Am runden Tisch diskutiert auch der im FC seit vielen Jahren mitwirkende Reto Krebs mit. Seine Fakten beeindrucken: Seit nun mehr 32 Jahren erteilt der Innerschweizer Fussballverband (IFV) eine Ausnahmebewilligung für die Sinser Fussballer. In jüngster Zeit jedoch mit der Auflage, dass spätestens mit der Südwestumfahrung, die schon längst notwendigen sicherheitsbedingten Massnahmen wie Sicherheitsabstände, Zäune oder Lichtmasten entlang der Spielfeldränder umgesetzt werden müssen. Ergänzend erklärt Ursula Guggenbühl, ebenfalls FC-Sympathisantin, dass die Sicherheit schlicht nicht mehr gewährleistet sei.

Nur das Momentum könnte somit aus finanzieller wie auch aus zeitlicher Optik gar nicht besser daherkommen. Aufgrund der bestehenden Transportwege, Baustellensicherungen oder den Vergabungen können die Investitionen dank guten Verhandlungen der Gemeinde tief gehalten werden. Die Optimierung der Sportanlage Letten kommt auch dem Turnverein zu Gute. Die Turner können das Spielfeld auf der Ammannsmatt wieder vermehrt benutzen. Zudem profitiert auch die Schule sowie weitere Vereine von einer Optimierung der Sportanlagen im Letten.

Dem FC beschert die Koordination während der Bauzeit grosse Herausforderungen. Aktuell spielt der Verein mit der ersten Mannschaft in Dietwil. Dem Club entgehen so Einnahmen im fünfstelligen Bereich durch Gastronomie und Bandenwerbungseinbussen. «Die nächsten zwei Jahre müssen wir finanziell untendurch», so Paul Conrad. Ursula Guggenbühl ist erfreut, dass das Clubhaus nicht weichen muss. Eine Umplatzierung hätte erhebliche Kosten für den Verein bedeutet.

Doch wie sehen die Gegenleistungen der Vereine im Vergleich zum finanziellen Sanierungsaufwand aus? Der Fussballclub ist nach wie vor auf Veranstaltungserlöse wie die Fasnachtseröffnung angewiesen, um so die Mitgliederbeiträge tief zu halten. Von einer Bank hätte der Verein kein Kapital erhalten und eigenes Vereinskapital wird für Trainingsmaterial, Tore, Clubhaus, Juniorenförderung und Lager sowie Weiterbildung von Trainern investiert. Ein Argument zählt aber: Die unzähligen Freiwilligenstunden für die Jugend, argumentieren Paul Conrad wie auch Hans Bachmann. Fehlt es aber an einer intakten Infrastruktur, wäre die Fronarbeit rückläufig und die Jugendarbeit im aktuellen Umfang nicht mehr möglich, sind sich die Diskussionsteilnehmer unisono einig.

Keinen Plan B für den Seilziehclub und FC

Auch der drittgrösste und in den letzten Jahren wohl erfolgreichste Seilziehclub der Schweiz mit rund 45 Aktiven wäre bei einer Ablehnung des Verpflichtungskredites durch das Stimmvolk an der Gemeindeversammlung vom 8. Mai betroffen. Der Seilziehclub wird wiederum einen Trainingsunterstand realisieren. Einen Plan B hat der Club nicht. «Bei einer Nichtannahme müssten wir wohl zwei Jahre warten bis die Südwestumfahrung fertiggestellt und der Kanton uns einen Unterstand bereitstellen würde», so Roger Schleiss. Ähnlich tönt es auch bei den Fussballern. Sagen die Sinser nein, gäbe es allenfalls nur ein konformes Spielfeld sowie einen kleinen Kunstrasenplatz. Als Folge würden nur noch die besten Spieler behalten und der Verein drastisch verkleinert werden müssen. So könnten viele Kinder, für die ein „Vereinsleben“ wertvoll ist nicht mehr partizipieren. Reto Krebs rechnet vor: «Weniger Mitglieder, heisst weniger Freiwilligenarbeit und höhere Mitgliederbeiträge. Wobei die Problematik der Sanierung der Infrastruktur nicht gelöst wäre.» Für Albert Villiger ist klar: «Sind die Strukturen nicht gegeben, enden wir in einer Schlafgemeinde. Darum sind die neuen Anlagen für die Vereine enorm wichtig.»

Kritik gegen die Sanierung und die Optimierung der Schulanlage Letten gibt es seitens der Vereine keine. Man pflege eben einen konstruktiven und wohlwollenden Austausch, so Reto Krebs. Die Vereine sind auch für das entgegengebrachte Verständnis der Behörden von Sins dankbar und schätzen die Zusammenarbeit. Beim Seilziehunterstand trainieren immer noch eifrig die Männer und Frauen an diesem wolkenverhangenen Frühlingsabend. Die Diskutierenden am runden Tisch freuen sich, nach drei intensiven Jahren, auf eine baldige Entscheidung an der Gemeindeversammlung und verlassen voller Zuversicht das Clubhaus.