Die «Bergprinzässin» wieder in Sins


Sins

Überraschende Bühnengäste und ein vielfältiges Liederprogramm begeisterten die Zuschauer beim diesjährigen Konzert und Theater des Jodlerklubs. Ländlermusik, feine Speisen und gratis Kaffee sorgten für einen gelungenen Abend.

pev. Bis auf den letzten Platz besetzt war die Mehrzweckhalle Ammannsamatt am letzten Samstag: Der Jodlerklub Heimelig Sins hatte zum alljährlichen Konzert und Theater geladen. Fünfmal findet eine Aufführung statt (siehe Kasten). Der Chor begann das Konzert passend mit «Zum Gruess» von Hannes Fuhrer. Vereinspräsident Thomas Huwiler begrüsste alle Anwesenden – besonders die Neu- und Ehrenmitglieder. Auch viele Delegationen anderer Vereine – aus Sins und von weit her – waren angereist, um klangvollen Jodel zu geniessen. Edith Sidler führte durch das abwechslungsreiche Liederprogramm: «Johr y, Johr us» von Mathias Zogg gehörte ebenso dazu wie «Blueme» von Polo Hofer. René Arnold leitete den Chor.

Ein ganz besonderes Stück

Nach den sechs Liedern und einer Zugabe begann das Theater. «Bergprinzässin» ist dabei ein ganz besonderes Stück für den Jodelklub: Es wurde 1978 in Sins uraufgeführt und der Autor Josef Brun spielte damals und auch heute wieder selber mit. Dasselbe gilt für Margrith und Beat Arnold, die zum zweiten Mal in diesem Stück auf der Bühne stehen.

Gleich zu Beginn brachten die Knechte Melk (gespielt von Josef Brun) und Sämi (gespielt von Beat Arnold) Magd Kathri (gespielt von Nicole Strebel) auf die Palme und das Publikum zum Lachen. Doch schon bald wurde die Geschichte todernst: Hat sich Tagelöhner Noldis (gespielt von Pascal Anderegg) geliebte Frau wirklich selbst umgebracht oder war es Mord? Was weiss die alte Frau Philomée (gespielt von Margrith Arnold) darüber?

Geschäftsmann Schwarz (gespielt von Raphael Köpfli) will sich unbedingt Hofers Bauernhof unter den Nagel reissen und da Werner (gespielt von Urs Etter) nicht im Traum daran denkt zu verkaufen, geht Schwarz über Leichen, um sein Ziel doch noch zu erreichen. Die Zuschauer werden Zeuge, wie er mit einer Fackel in tiefer Nacht Haus und Hof anzündet. Dichter Rauch wabert von der Bühne, als sich Schwarz mit Hofers einzigem Kind aus dem Staub macht.

«Ehr gönd mer all zäme is Netz!»

«Zwischen dem ersten und dem zweiten Akt gibt es 20 Jahre Pause», hatte Andrea Iten angekündigt – so viel Zeit zieht nämlich ins Land für die Charaktere. Den Zuschauern reichte die Pause immerhin für ein saftiges Steak oder einen Fitnessteller. Mit ergrauten Haaren sind die Schauspieler schon bald wieder zurück. «Bergprinzässin» Dorli (gespielt von Ramona Arnold), die totgeglaubte Tochter der Hofers, lebt mit «Grossmutter» Philomée einsam auf der Alp, wo Freundin Meieli (gespielt von Nicole Günter) sie ab und zu besuchen kommt. Nun aber wollen die Hofers zusammen mit Ziehsohn Meinrad (gespielt von Roger Arnold) schon bald ihr Vieh auf die benachbarten Alpweiden treiben. Während sich zwischen Dorli und Meinrad eine junge Liebe entwickelt, plant Makler Schwarz schon seinen nächsten teuflischen Schachzug: «Ehr gönd mer all zäme is Netz!»

Raphael Köpfli versteht es, den Bösewicht äusserst glaubhaft darzustellen: fies und hinterlistig scheint er seine Pläne zu schmieden. Magd und Knechte begeistern zwischendurch immer wieder das Publikum mit Witzen und Streichen. Mal landen die betrunkenen Männer im Heuhaufen, mal speien sie gesalzenen Kaffee über den Tisch oder streiten sich: «Du schtenksch scho vor Füüli!» - «Hei! Ech tue mi all Johr einisch wäsche, öbi dräckig be oder ned!» Die Schauspieler zeigen eine beeindruckende Leistung und verstehen es, den Charakteren glaubhaft Leben einzuhauchen.

«Älplerfest» auf und neben der Bühne

Heimliche Stars des Abends sind die Tiere auf der Bühne: Da gackern echte Hühner und eine Herde Ziegen wird auf die Alp getrieben. Da nach jedem Auftritt eine feine Belohnung auf die «pro specie rara» Stiefel- und Pfauengeissen aus Reussegg wartet, mögen sie das Rampenlicht inzwischen ganz gerne.

Im Theater eingebettet sind wiederum Auftritte des Jodlerklubs, zum Beispiel beim grossen «Älplerfest». Wie es sich für ein Volksstück gehört, werden die Verwicklungen nur langsam aufgedeckt und lange bleibt unklar, ob der Polizist (gespielt von Marlo Riegert) schlussendlich den richtigen verhaftet und ob sich Mutter Mariann (gespielt von Pia Rickenbach) und Tochter Dorli jemals wieder in die Arme schliessen können…

80 Jahre Jodelklub: Kaffee spendiert

Schon seit 1945 besteht die Theater-Tradition des Jodelklubs. Zu feiern hat der Verein dieses Jahr sein 80-Jahr-Jubiläum: Zum Dank für die langjährige Treue spendierte der Jodelklub allen einen gratis Kaffee. Der Seilziehclub Sins übernimmt an allen Abenden den Service.

Nach der Aufführung spielte am Samstag das Ländlertrio KüWy zur Unterhaltung und zum Tanz. An den anderen Abenden spielen das Schwyzerörgeliduo Betschart oder das Handorgelduo Anita und Priska mit Kari am Bass.

Weitere Aufführungen:

Freitag, 12.4. um 20.00 Uhr

Samstag, 13.4. um 20.00 Uhr

Sonntag, 14.4. um 13.30 Uhr