Kinderkleiderbörsen am Leben erhalten


Oberfreiamt

Meistens finden in den Monaten März und September die Kinderkleider- und Spielwarenbörsen statt. So auch letzte Woche in Oberrüti und Auw.

rah. Zwei Börsen werden von der Frauengemeinschaft Oberrüti pro Jahr organisiert. Eine, die eher Frühlings- und Sommer-Artikel anbietet und eine, die eher Herbst- und Winter-Artikel führt. 15 Frauen helfen mit, den Anlass durchzuführen. Geleitet wird das Team von Bettina Serafini und Andrea Stadelmann. Es sind alles Frauen aus dem Ort, die einen Beitrag zum Dorfleben beitragen wollen. An die Börse kommen Personen aus der Region. Diese suchen meistens ein «Schnäppli» und haben nicht den ökologischen Hintergedanken, wie die beiden Leiterinnen sagen. «Aber ich habe schon gehört, dass Personen froh sind, wenn die Babykleider schon ein paar Mal gewaschen wurden. Dann sind nämlich alle schädlichen Substanzen draussen» so Stadelmann. Die Börse funktioniert gut. Es gibt immer wieder neue Interessentinnen, die eine Nummer wollen, um ihre Artikel zu verkaufen. «Rund 110 Nummern sind im Umlauf. Davon kommen jeweils rund 40 Personen, die Waren zum Verkauf bringen», so Serafini. Für die meisten Besucher ist die Börse auch ein beliebter Dorfevent, bei dem man sich trifft. Denn neben dem Verkauf findet ein kleines Kaffee statt, das zum Verweilen einlädt.

Die beiden Börsen kreuzten sich

In diesem Jahr waren die Kinderkleider- und Spielwarenbörsen in Auw und Oberrüti am letzten Samstag von 9 bis 11 Uhr. Die Börsen finden immer um das zweite oder dritte Wochenende im März statt. Dass sie in diesem Jahr am gleichen Tag stattfanden, war keine Absicht. Die Organisatorinnen der Börse in Auw hatten in diesem Jahr keine Wahl für das Datum. «Die Börse ist im Mehrzweckgebäude. Dieses wird auch von der Armee genutzt und wir müssen die freien Termine nehmen, die uns angeboten werden», sagte die Aktuarin Barbara Richner vom Leiterteam der Kinderartikelbörse in Auw.

In Auw wurde extra ein Verein gegründet

Auch in Auw läuft die Börse gut und gehört zum Bestandteil der Dorfanlässe. «Ich finde es wichtig für die Gemeinden, so eine Börse anzubieten», sagte Maya Kallenbach vom Verein Kinderartikelbörse in Auw. «Es ist wie eine Tauschaktion. Es geht nicht darum, dass man viel Gewinn macht», ergänzte sie. «Dies muss den Leuten bewusst sein, die Waren zur Börse bringen. Wer seine Artikel zu teuer anschreibt, verkauft praktisch nichts», sagte Kirsten Pankratz, die Präsidentin des Vereins. In Auw gehen 20 Prozent des Verkaufserlöses an den Verein. In Oberrüti sind es 30 Prozent. Mit diesem Betrag werden Kosten für die Miete der Räumlichkeiten, Büromaterial, Homepagekosten und weitere Ausgaben gedeckt. «Aus diesem Grund haben wir auch einen Verein gegründet», sagte Kallenbach. «So ist das Geld auf einem separaten Konto und die Haftung ist besser geklärt». Auch in Auw gibt es eine Frühlings- und eine Herbstbörse. Diese sind etwas grösser als die in Oberrüti. Rund 260 Nummern sind im Umlauf und rund 80 Personen bringen jeweils Waren zum Verkauf. Die Organisatorinnen und Helferinnen verdienen kein Geld für ihren Einsatz. Einen Überschuss spenden sie lieber. «Wir haben in diesem Jahr einen Beitrag an den Auwer Ferien(s)pass spenden können», freuen sich die Frauen. Und Kleider und Spielsachen, die nicht mehr gebraucht werden, werden an den Verein «Helfen mit Kopf, Herz und Hand» gehen. Die vier Frauen haben das Zepter der Leitung vor vier Jahren übernommen. Seither versuchen sie, die Börse modern zu halten und Kosten zu sparen, damit der Anlass auch in Zukunft stattfinden kann. Denn Beispiele vom Börsensterben gibt es auch in unserer Region.

Das Börsensterben im Oberfreiamt

In Merenschwand findet dieses Jahr keine Börse statt. Auf der Homepage des Elternvereins Merenschwand wird darauf hingewiesen: «Wir müssen euch an dieser Stelle mitteilen, dass wir in Zukunft die Kleiderbörse leider nicht mehr durchführen werden. Dies aus verschiedenen Gründen: Abnehmende Besucherzahlen, unser zeitlicher Aufwand stand in keinem Verhältnis mehr zu den Einnahmen, es wurde immer schwieriger genügend Helfer zu finden.» Diese Erkenntnis war auch in Beinwil Grund, dass die Börse eingestellt wurde. «Die Börse musste mangels Interessenten geschlossen werden», sagte Ester Huwyler Präsidentin Frauen- und Mütterverein Beinwil. «Der Umsatz ging schleichend zurück und die Qualität der Kleider wurde immer schlechter», so Huwyler. Die Börse wurde daher im Herbst 2014 zum letzten Mal durchgeführt. «Damit Beinwil aber dennoch etwas zum Tauschen hatte, wollten wir eine Kinderspielsachen-Tauschbörse im 2015 anbieten», erklärte sie. Diese fand aber auch keinen Anklang und so probierten sie es mit einem Kinderflohmarkt 2016 bis 2018. «Aber auch diesen mussten wir nun per diesem Jahr mangels Interessanten wieder streichen. Wir hatten sechs Anmeldungen für einen Stand und vielleicht 20 Kunden» so Huwyler. «Viele Eltern meinten, wenn sie ihr Kind an den Flohmarkt schicken, werde es nicht seine alten Sachen verkaufen, sondern mit noch mehr Plunder nach Hause kommen.»