Bühnenschwank und filmische Überraschung


Oberrüti

«Die schwebende Jungfrau» ist ein Dreiakter nach Ideen von Franz Arnold und Ernst Bach. Er wurde vom Oberrüter Regisseur Beni Kreuzer neu geschrieben und enthält vier Szenen, die weg vom Bühnenbild passieren und filmisch gezeigt werden.

rico. Das Genre eines Lustspiels bleibt sich in allen Bereichen das Gleiche. Es geht um Lügen, Intrigen, Verwechslungen und schlussendlich um kuriose Auflösungen. Es spielt sich immer auf der Bühne ab, vielfach wechselt die Kulisse, meistens aber nicht. Die Theatergruppe Oberrüti (TGO) geht dieses Jahr ein besonderes Wagnis ein: Sie zeigt Szenen des Stücks auf zwei Grossleinwänden und verzückt oder schockiert das Publikum erst einmal, bevor die Übergänge und das Zusammenspiel des Experiments logisch erscheinen.

Das grosse Verwechslungsspiel

Der bedauernswerte Geschäftsführer der Weinhandlung Traube, Koni Rebe (Carlo Mattmann) kann einem so richtig leid tun. Seine Schwiegermutter Ida Traube (Margrith Rüegsegger) findet ein kompromittierendes Foto einer jungen Dame in seinem Kittel. Kommt dazu, dass die neugierige Elise Rebe (Rösli Galliker) in der Reisetasche ihres Mannes seltsame weibliche Gegenstände entdeckt, die nur eine Vermutung zulassen: Amouröse Abenteuer ihres Mannes auf Geschäftsreisen!

Ida Traube kann nicht genug beteuern, dass ihr so etwas nicht passieren kann, weil auf ihren Mann Franz (Rolf Mösch) zu hundert Prozent Verlass ist. Im Laufe des Schwanks zeigt sich aber, dass der Weinhändler alles andere als eine Lichtgestalt ist. Die ominöse Reisetasche ist eine Verwechslung, die auf einer Zugreise passierte, auf der Koni Rebe die Bekanntschaft mit der ehemaligen Tänzerin, der «Schwebenden Jungfrau» (Beatrice Kälin) machte. Der Koffer muss also an den Wohnort Basel der Zugsbekannschaft zurück. Weil sich der Termin mit einer Geschäftsreise nach St. Gallen kreuzt, bietet sich der Seniorpatron an, die Reise nach Basel zu unternehmen, damit sein Schwiegersohn das Geschäftliche in der Ostschweiz erledigen kann.

So weit, so gut, aber der in einer schwierigen Ehe stehende Theodor Stock (Peter Meier) geht ebenfalls nach Basel, was seiner Frau Therese (Anny Omlin) gar nicht gefällt. Die drei gehörnten Frauen engagieren nun den Detektiv Von Pulver (Jürg Guhl) um das Ganze aufzuklären, was noch mehr Verwirrung in das Geschehen bringt.

Gutes Ensemble, gute Regie

Die TGO bietet auch in der neuesten Inszenierung eine Top-Leistung. Neben den bereits erwähnten Protagonisten kommen auch die Nebenrollen gut zur Geltung. Vreni Kreuzer als Hausangestellte Anna, Dani Zimmermann als Ehemann der «Schwebenden Jungfrau» Jonny Schwing und der erstmals auf der Bühne stehende Fabian Hanselmann als Buchhalter Frank kommen – wie alle anderen auch – textsicher und mimisch grandios durch das Stück. Erwähnenswert auch die Doppelrolle von Beatrice Kälin als ehemalige «Schwebende Jungfrau» und Sonja Grabowska mit perfektem polnischen Akzent.

Der gewiefte Theaterfachmann Beni Kreuzer hat mit Stückwahl und der Zusammenstellung des Ensembles einmal mehr ein gutes Händchen bewiesen. Mit zwölf Rollen und elf Personen auf der Bühne sicher kein leichtes Unterfangen. Das Experiment mit den Filmen zwischendurch erwies sich als technisch schwierig. Die Zuschauer waren unterschiedlicher Meinung über die Vermischung von Theater und Film.

Ein besonderes Lob verdient das Bühnenbild, das vom Team unter der Leitung von Viktor Weber gefertigt wurde. Der gewölbte Weinkeller war mit viel Liebe zum Detail hergestellt und vermittelte das Ambiente eines Weinkellers perfekt.

Weitere Aufführungen

Es stehen noch fünf Aufführungen in der Turnhalle Oberrüti an. Freitag, 11. Januar und Samstag, 12. Januar, je 20.08 Uhr; Sonntag, 13. Januar, 17.08 Uhr; Freitag, 18. Januar und Samstag, 19. Januar, je 20.08 Uhr. Türöffnung jeweils um 18.30 Uhr mit der Möglichkeit zum Essen. Am Sonntag Türöffnung um 15.30 Uhr.

Platzreservation unter www.tgob.ch (sitzplatzgenau) oder über die TGO-Hotline 075 413 52 53 von Montag bis Mittwoch von 18.30 bis 20.30 Uhr.

An den Freitagen und Samstagen ist die Theaterbar im Untergeschoss offen. Bei allen Aufführungen Tombola mit vielen tollen Preisen.