Die beiden Energiestädte im Vergleich


Oberfreiamt:

Mit Mühlau darf seit diesem Jahr eine zweite Oberfreiämter Gemeinde das Label Energiestadt tragen. Auw hat das alle vier Jahre stattfindende Re-Audit mit Bravour bestanden.

pev «Energiestadt» ist ein Gütesiegel, das von EnergieSchweiz vergeben wird. Dieses Programm wurde vor 17 Jahren vom Bundesrat ins Leben gerufen und soll im Zusammenhang mit der Annahme der Energiestrategie 2050 weiter ausgebaut werden. Das Label Energiestadt gehört dabei zu den effizientesten Programmen von EnergieSchweiz. 4 von 8.5 Millionen Schweizern leben heute in einer der rund 420 Energiestädte. Für kleinere Gemeinden sind die Anforderungen des Zertifikats nicht allzu leicht einzuhalten, am meisten Punkte erreichen grössere Städte wie Zürich, Lausanne oder St. Gallen.

Neue Energiestadt Mühlau

Um das Label zu erhalten, muss eine Gemeinde mindestens 50 Prozent der möglichen Massnahmen realisiert oder beschlossen haben. Mühlau schafft bei der Erstzertifizierung sogleich 56 Prozent, am besten schneidet sie in den Bereichen Interne Organisation und Kommunale Gebäude ab. Über zwei Jahre hat sich Mühlau auf die Zertifizierung vorbereitet. Eine wichtige Massnahme um das Ziel zu erreichen, war die Versorgung aller Gemeindegebäude mit erneuerbarer Energie aus dem neuen Wärmeverbund. «Wir mussten nicht viel investieren, denn diese Prozesse waren bereits am Laufen», erklärt Gemeinderat Ivo Bucher. Alles was mit Energie zu tun hat, wird genauer angeschaut. Energiesparmassnahmen, erklärt Bucher, haben für die Gemeinde auch einen finanziellen Anreiz.

In einem nächsten Schritt wird die Elektra ab 2018 die Gemeinde mit 100 Prozent Wasserstrom versorgen. «Ein weiteres Ziel ist die Erstellung eines neuen Leitbildes», führt Bucher weiter aus, «und dann wollen wir sicher auch die Schule und die Schulleitung miteinbeziehen.» So sollen bereits die Kinder sensibilisiert werden und spielerisch verschiedene Energiethemen kennen lernen. EnergieSchweiz stellt dazu und für diverse weitere Energiethemen Material zur Verfügung. «Wir müssen nicht alles neu erfinden; das ist auch ein weiterer Vorteil der Energiestadt für kleine Gemeinden», betont Ivo Bucher. Weiter sind fürs nächste Jahr Flyer und ein Vortrag zu einem spezifischen Energie-Thema geplant. Grenzen sieht Bucher vor allem beim öffentlichen Verkehr, neue Bus- und Bahnverbindungen werden zwar angestrebt, seien aber wohl schwierig zu erreichen.

Steigerung um 10 % in Auw

Jede Energiestadt hat einen Energiestadt-Berater, im Oberfreiamt ist dies Franz Ulrich. Dieser überprüft den Massnahmenkatalog und verteilt Punkte, welche er an einen Auditor weiterleitet. Dieser kontrolliert die Punkteverteilung und bespricht den Massnahmenkatalog mit dem Berater und der Energiekommission. Die nationale Label-Kommission entscheidet schlussendlich über die Re-Zertifizierung. Der ganze Prozess ist schlank gehalten, alle vier Jahre kostet die Re-Zertifizierung mit Subventionierung des Bundes 6000 Franken.

Auw hat das Energiestadt-Label seit 2009 und konnte sich seit der letzten Erneuerung um 10 Prozent auf 65 Prozent steigern. «Wir sind mehr als zufrieden. Es ist ein absolutes Highlight wie es jetzt herausgekommen ist», schwärmt Gemeinderat und Energiekommissionspräsident Martin Abt, der seit der Gründung der vierköpfigen Energiekommission mit viel Herzblut dabei ist.

«Unser Hauptträger sind die Schnitzelheizungen und der in den letzten Jahren massiv ausgebaute Wärmeverbund. Da haben wir Vorbildfunktion landesweit. Stefan Staubli wird zum Beispiel immer wieder für Vorträge angefragt», erklärt Abt. Wie in Mühlau sind auch in Auw alle kommunalen Gebäude an der nachhaltigen Holzheizung angeschlossen. Weitere wichtige umgesetzte Massnahmen sind Tempo 30 in allen Quartieren sowie die regelmässig erscheinenden Newsletter, die auf aktuelle Energie- und Umweltthemen aufmerksam machen. «Wir haben ein neues Leitbild erarbeitet und darin haben wir explizit geschrieben, dass die Gemeinde Auw hinter dem Label Energiestadt steht. Es ist auch ein Führungsinstrument; wir hinterfragen Entscheide auch in diese Richtung.»

Keine Einzelaufgabe

Die Gemeinden haben nicht alles selber in der Hand. Den öffentlichen Verkehr zum Beispiel kann eine Gemeinde nur ausbauen, wenn die Auslastung genügend hoch ist. Natürlich haben die Behörden auch keinen Einfluss auf die Entscheidungen Privater – die Sanierung von Fenstern und Fassaden oder nachhaltiges Heizen kann zwar empfohlen oder subventioniert, aber nicht erzwungen werden.

Ebenfalls eine zentrale Rolle spielen die Elektra- und Wasserversorgungs-Genossenschaften. In Mühlau klappe die Kooperation sehr gut, sagt Ivo Bucher. Auch Martin Abt betont, dass die Gemeinde auf die gute Zusammenarbeit mit der Elektra, die die Strassenbeleuchtung mit reinem Naturstrom betreibt, oder mit den Gemeindemitarbeitern, die freiwillig Kurse zum Thema Nachhaltigkeit besuchen, angewiesen ist. Er erklärt: «Das zeigt auch wie wir hier in Auw leben. Wir haben eine super Zusammenarbeit.»

Ziele in Zukunft

«Heute ist es ein Gebot der Stunde, Energiestadt zu sein», sagt Martin Abt und begründet das Engagement: «Wir haben jetzt diese Abstimmung der Energiestrategie 2050 gehabt und sie wurde angenommen, deshalb sind wir hier absolut auf dem richtigen Weg. Wir haben sicher eine gewisse Vorbildfunktion.» Ebenfalls entscheidend sei die Förderung der Lebensqualität, die am Ursprung der Idee Energiestadt stand.

In näherer Zukunft wird die Gemeinde Auw etwas kleinere Schritte machen als bisher. Die Umstellung auf reinen Naturstrom steht noch an, noch mehr Anlässe können durchgeführt werden und allenfalls gewisse Vorgaben in die neue Nutzungsplanung einfliessen. 5 Prozent will sich die Gemeinde bis in vier Jahren steigern. Mit 75 Prozent erhält eine Gemeinde den European Energy Award®GOLD. Dieser ist für die Gemeinde Auw momentan aber kein Thema; Aufwand und Ertrag würden dafür nicht aufgehen, findet Abt.