Ärztezentrum Sins: So geht es weiter


Sins:

Die gute Nachricht zuerst: Das Ärztezentrum wird übernommen und soll weiter betrieben werden. Die schlechte Nachricht: Auch die Käuferin hat bis jetzt noch keine Ärzte dafür.

rah. Per 1. August ist die Praxisgruppe Schweiz AG die neue Inhaberin des Ärztezentrums. Die Praxisgruppe hat schweizweit 24 Arztpraxen, hauptsächlich in ländlichen Gebieten und zehn davon im Kanton Aargau. Für die Patienten solle es keinen Unterbruch geben, abgesehen von kurzfristigen Renovationsarbeiten der Räumlichkeiten. «Das ist aber eine limitierte Zeit. Vielleicht zwei Wochen im August, damit wir die nötigen Installationen vornehmen können», so der Veraltungsratspräsident der Praxisgruppe Schweiz AG, Joseph Rohrer. Dass die Übernahme per 1. August erfolgen kann, freut auch den CEO des Spitals Muri, Daniel Strub: «Wir unterstützen alle Bestrebungen, die Praxis so schnell wie möglich wieder zu eröffnen. Die Übertragung des Inventars an die Praxisgruppe Schweiz AG soll unkompliziert und zu einem Freundschaftspreis erfolgen.»

Neues Gesetz erschwert Ärztesuche massiv

Momentan sucht die neue Inhaberin Ärzte. Bis anhin fanden sie problemlos Personal für ihre Praxen, doch wegen dem Zulassungsstopp für ausländische Ärzte, der vom Kanton Aargau seit Anfang März verfügt wurde, wird die Suche massiv erschwert. Das Gesetz sieht vor, dass niemand, der nicht über ein Schweizer Medizinstudium verfügt oder mindestens drei Jahre in der Schweiz als Arzt an einer anerkannten Weiterbildungsstätte tätig war, eine Zulassung zur Tätigkeit zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) erhält. Wie Rohrer sagt, wussten sie von dieser Verschärfung, wollten aber die Unterversorgung, wie sie in Sins stattgefunden hätte, nicht zulassen: «Wir können doch nicht zuschauen, wie 8000 Bürger, inklusive zwei Altersheimen, ohne Grundversorgung dastehen! Das wäre eine Unterversorgung im grösseren Masse.» Um den Erhalt der klassischen Hausarztmedizin in Sins sicherzustellen, kontaktierte Rohrer wie auch der Gemeinderat Sins den Kantonsarzt Dr. med. Martin Roth, um eine Ausnahmebewilligung zu erhalten. «Dr. med. Roth hat aber leider bereits mitgeteilt, dass es keine derartige Ausnahmebewilligung geben wird,» so Strub.

Weniger administrativer Aufwand

Ärzte, die bei der Ärztepraxis zukünftig arbeiten, werden mehr Zeit für ihre Patienten haben, da die ganze Administration zentral von einem Team in Hünenberg ausgeführt wird. Die Zentrale übernimmt das Schreiben von Rechnungen an die Patienten oder Krankenkassen sowie die ganze Buchhaltung der Praxis. Die Ärzte müssen noch die medizinischen Dokumentationen machen, das Team vor Ort leiten und die Agenda führen. Ein MPA-Team wird es wieder brauchen. Ob man auf bestehendes Personal zurück greifen kann, ist nicht sicher. Diese Angestellten befinden sich momentan in einem Kündigungsverhältnis und haben teilweise bereits neue Stellen.