Initianten feierten Revival

Es war einmal...

Vor 40 Jahren stand in Sins ein Jugendhaus. Nach nur eineinhalb Jahren wurde es abgerissen, doch die Erinnerungen daran bleiben bis heute. Am vergangenen Samstag trafen sich die Jugendlichen von damals in Sins und diskutierten über die guten alten Zeiten.

Wieder aufgetauchte Filmaufnahmen waren der Anlass zum Jugendhausfest vom letzten Samstag. Rund 50 ehemalige Jugendhäusler trafen sich im Kino Cinepol in Sins. Nach dem Apéro und der Filmvorführung genossen die Teilnehmer im Gasthaus Einhorn einen mit Erinnerungen gefüllten Abend. Beim Vesper-Buffet und einem Live-Konzert der „Seiserkurve“, liessen die Gäste die Zeit von damals noch einmal aufleben. Jugendhaus in SinsEin Blick zurück. 1973 stellte die Firma Bühl AG einer Gruppe von Jugendlichen ein Abbruchobjekt als Lokalität für ein Jugendhaus zur Verfügung. Das Haus befand sich an der Bahnhofstrasse 3, dort wo heute das Café Bühl zu finden ist. Die „Sinser Hippies“ leiteten das Jugendhaus autonom, führten Strukturen ein und schon nach kurzer Zeit existierte ein Vorstand mit regelmässigen Sitzungen und einer Hausordnung. Es wurde gehämmert und gestrichen. Die Jugendlichen organisierten Konzerte und Ausstellungen. Doch nicht alle hatten Freude am neuen Jugendhaus. In dessen Zusammenhang kursierten in Sins schon bald Gerüchte um Haschisch und Sex. Im „Anzeiger für das Oberfreiamt“ entstand dazu eine intensive Leserbrief-Diskussion mit polarisierenden Meinungen. Dabei verglich man das Sinser Projekt mit anderen Jugendhäusern, die damals für negative Schlagzeilen sorgten. Begriffe wie „autonom“, „Basisgruppe“ oder „Palästina-Woche“ wirkten zum Teil als Reizworte. Es konnte nie bewiesen werden, dass im Sinser Jugendhaus Drogen konsumiert wurden oder Sexorgien stattfanden. Trotzdem wurde das Objekt 1975 abgerissen. Nicht etwa wegen den Bewohnern. Es war baufällig, das wussten die Initianten bereits bei der Gründung. Für die Jugendlichen war es dennoch eine wunderschöne und intensive Zeit. Nach dem Abriss fehlte den Initianten die Energie, sich erneut um ein neues Wohnobjekt zu kümmern. „Die Luft war draussen“, so die allgemeine Meinung am Samstagabend. Zahlreiche der Jugendhäusler zog es in die grosse Welt. Sie studierten oder arbeiteten an anderen Orten. Am vergangenen Samstag trafen sie sich zum Jugendhaus-Revival. Erinnerungen an damalsViele der ehemaligen Jugendhäusler sahen sich seit dieser Zeit nicht mehr. Umso grösser war die Freude am Wiedersehen. Am Samstagabend blühten im Sinser Gasthaus Einhorn Erinnerungen blühten auf. Carlo Tamburini war einer der Initianten. „Wir hatten eine super Zeit. Wir gaben uns demokratische Strukturen mit Vollversammlungen und Abstimmungen. Davon profitierten alle.“ Es sei auch ab und zu etwas über den Durst getrunken worden, doch es hielt sich in Grenzen. Die damals 21-jährige Gaby Vetter war der Bindefaden zwischen Gemeinde und Jugendhaus. Sie stellte das Projekt dem Gemeinderat vor, der schliesslich zustimmte. „Wenn ich zurückdenke, war ich das Jugendhaus-Mueti“, so Vetter. Eine ihrer schönsten Erinnerungen war ein Sommernachtsfest, bei dem sie eine Waldmeister-Bowle gemacht hatte, die es in sich hatte. „In unserer Naivität mixten wir zünftig Alkohol dazu, was nicht allen gut bekam.“ Vetter freute sich sehr, alle Gesichter am Samstag wieder zu sehen. Das Jugendhaus machte erwachsenAuch Andy Zgraggen zählte auch zum harten Kern. Für ihn war der eigentliche Aufbau des Jugendhauses die schönste Erinnerung. „Es war ein Kampf mit der Bevölkerung. Wir wollten uns ablösen von zuhause und viele die dabei waren, dachten sehr politisch.“ Auch Alex Zgraggen war im Vorstand aktiv. Für den heutigen Direktor bei einer Grossbank bedeutete die Zeit im Jugendhaus sehr viel: „Wir mussten uns zum ersten Mal mit dem Thema Eigenverantwortung auseinandersetzen. Wir organisieren uns und schufen Strukturen, das war sehr spannend.“ Ihm war eine Pokerrunde noch in bester Erinnerung, die bis in die frühen Morgenstunden dauerte, inklusiv Polizeikontrolle. „Da mussten wir sofort das Geld verschwinden lassen. Es waren lächerliche Beträge, aber wir hatten trotzdem ein schlechtes Gewissen.“